„Das ist jetzt aber schon ein bisschen teuer…“

Fotograf | Landshut, Essenbach, Bonn

Obwohl ich mit meinen Einführungspreisen immer noch zu den günstigeren Fotografen im Landshuter Kreis zähle, erlebe ich Momente, in denen mich Unwissende oder auch potentielle Kunden fragen, warum ein Fotoshooting so teuer ist.

 

Der Fotograf stellt sich ja bloß hin, drückt eine dreiviertel Stunde bis Stunde (bei mir werden es vor lauter Gequatsche eh meistens zwei) auf den Auslöser und verlangt dafür Geld. Dafür bekommen die Kunden dann zwischen 5 und 10 bearbeitete Bilder. Das kann Tante Irmi mit Gimp oder Picasa auch und die verlangt gar nichts.

 

Liebe Kunden, liebe Models und liebe Menschen da draußen,

Fotografieren ist weit mehr als nur aufs Knöpfchen zu drücken.

 

Die Arbeitszeit hinter den Kulissen rechtfertigt die Preise.

 

Im Vorfeld werden schon Ideen gesammelt, es werden Make-Up, Ort und Vorstellungen besprochen. Locations und Materialien werden ausgekundschaftet und besorgt.

 

Bei einem normalen Fotoshooting kommen dann schon mal bis zu 600 Bilder raus. Die wollen gesichtet, (aus)sortiert, grundbearbeitet, verkleinert und in eine Galerie gestellt werden, damit man die überhaupt erstmal zu Gesicht bekommt. Die Stunden hierfür belaufen sich auf irgendwas zwischen zwei und fünf Stunden. Ich hab die Zeit noch nie gestoppt oder gar berechnet.

 

Naja, also dann sind aber die Bilder ja noch immer nicht fertig. Nachdem du dich für deine Favoriten entschieden hast, beginnt erst die eigentliche Arbeit.

 

Die Bilder bekommen meinen Stempel, meinen Stil aufgedrückt. Falten werden retuschiert, die Haut geglättet, Cellulite ausgemerzt, die Augen zum Strahlen gebracht, die Zähne gebleacht, störende Elemente entfernt, Farben vertauscht und angepasst, Pickel oder Narben versteckt, das ein oder andere Kilo zum Schmelzen gebracht etc.

Meistens nehme ich mir diesen Part für das Vorabend- und Abendprogramm vor. Serien und seichte Filme eignen sich hierfür übrigens am besten, da ist es nicht so schlimm, wenn man nur Bruchstücke mitbekommt. Von Simpsons und Goodbye Deutschland, am Wochenende auch mal Shopping Queen oder 4 Hochzeiten und eine Traumreise hab ich das ganze letzte Jahr nicht eine Folge komplett mit Sinn und Verstand angesehen, weil mir immer mein Laptop im Weg war.

 

Als Bildbearbeitungs-Fetischist und ein Photoshop-Junkie kann ich locker schon mal drei oder vier Stunden für ein einziges Bild aufwenden.

 

Nun könnte das ganze Prozedere ja auch schon fertig sein! Hurra – geschafft!

 

Leider ist dem nicht so! Nun werden die Fotos wieder verkleinert, exportiert und zur Durchsicht in die Kundengalerie gestellt, in der sie auf dein „Okay“ warten.

Meistens passt alles, aber hier und da passiert es, dass eine Änderung gemacht werden muss, aber das ist alles kein Problem, das mach ich gerne!

 

Wenn alles passt, werden die Bilder in Originalgröße exportiert (was einfach eeeeeewig dauert!), ggf. in die Software des Labors geladen, auf deren Server gespielt und somit bestellt.

 

Kommen die Bilder bei mir an, werden diese nach einer Qualitätskontrolle verpackt. Bei Hochzeiten wird noch gebastelt und gewerkt an einer liebevollen und extra abgestimmten Verpackung.

 

Und dann ist es endlich fast geschafft! Nun fehlt nur noch der Weg zur Post, wobei da jemand bei uns definitiv nicht mitgedacht hat, die haben wir nämlich bei uns im Dorf nicht. Also fahren wir eben die vier Kilometer für die nächste Filiale.

 

Ja, das ist mein fast täglicher Workflow. Wie du siehst, kann sich hinter zwei Stunden Shooting ganz schön viel Arbeit verstecken! Die Zeit investiere ich aber gern und selbstverständlich in die Bilder. Es macht Spaß, es ist ein bisschen anstrengend und stressig, aber es ist jede Minute wert.

Und die tollen Ergebnisse bekommt ihr sicherlich nicht von Tante Irmi. 


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