Ihr fragt, ich antworte (Teil 2)

Fotograf | Landshut, Essenbach, Bonn


Gestern ging es in die erste Runde, heute ist der zweite Teil an der Reihe.

Und wieder bin ich gespannt, was Ihr von meinen Antworten haltet :-)!

 

13. Hast du ein Vorbild?

Da muss ich ganz klar trennen zwischen Privat und Beruflich. Im privaten Bereich kann ich ganz klar mit „Nö.“ antworten. Vorbilder werden hier überbewertet, was soll ich denn da zum Vorbild machen? Dass jemand ein tolles Haus hat, sehr freundlich ist, sich engagiert oder beruflich erfolgreich ist? Naja, das kann man ja auch alles selber erreichen, also finde ich nicht, dass man sich da viel abgucken kann.

Aber im beruflichen Umfeld gibt es so einige Vorbilder oder Idole, denen ich gerne folge und von denen ich mich gerne inspirieren lasse. Vielfalt ist ja was Schönes, daher hab ich da auch ziemlich viele. Spontan fallen mir Steve McCurry oder aus dem Landshuter Bereich auch Alexey Testov ein. Das sind einfach Stile, die man selbst toll findet und die man mag.

 

14. Sommer oder Winter?

Wenn ich nicht raus muss, Winter. Da kann man sich einmummeln, den Kamin anmachen, es gibt Plätzchen, Kinderpunsch und Kaba. Und man muss seinen Astralkörper nicht am Strand zur Schau stellen, sondern kann sich in drei Lagen Kuscheldecke einwickeln. Ist doch super!

 

15. Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Solange ich mich zurück erinnern kann, hatte ich immer mal wieder eine Kamera in der Hand. Das ist nicht gelogen, Kameras geleiten mich schon mein ganzes kurzes Leben lang. Früher natürlich noch mit Film und die Verwandtschaft zur Weißglut getrieben, wenn man wieder unkontrolliert den Auslöser gedrückt hat. Dann durfte ich eine alte riesige Filmkamera mein Eigen nennen. Anschließend hatte ich eine kleine No-Name-Digicam immer vorm Gesicht, die Bilder hab ich immer noch auf dem Rechner. Zu dem Zeitpunkt lernte ich auch Photoshop kennen. Weiter gings mit meiner ersten Spiegelreflex von Konica Minolta und nun bin ich bei Sony hängen geblieben. Wir hatten zig Bücher über Fotografie und auch ein Abo einer Fotozeitschrift und irgendwann wollte ich nicht nur immer die schönen Bildchen von anderen Menschen angucken, sondern auch mal selbst was dazu beisteuern.

16. Welches Equipment nutzt du (also auch mit Software)?

Momentan eine Sony A68, einen Aufsteckblitz, mehrere Akkus und Speicherkarten, ein Kit-Objektiv, ein Porträt- und ein Teleobjektiv, zwei Stative, Photoshop, Lightroom, Irfan View, PhotoScape und das wars. Also nichts Außergewöhnliches oder Spannendes.

 

17. Wie lange brauchst du für ein Bild?

Den Anfang hat ein Bild immer in einer Shootinganfrage mehrere Wochen oder Tage vor dem eigentlichen Shooting. Dann trifft man sich und shootet. Das dauert auch meist mit Quatschen, Vor- und Nachbesprechung mehrere Stunden. Dann geht’s an das Aussortieren. Das passiert bei mir in zwei Schritten: nachdem alle Bilder auf dem Rechner sind, sortiere ich in Irfan View einfach alle grob aus, die offensichtlich nichts geworden sind. Den Rest importiere ich in Lightroom. Hier erfolgt nochmal eine Sortierung anhand Markierungen und Bewertungen. Dann bekommt mein Model die besten Bilder zur Durchsicht und sucht sich ihre Favoriten aus. Je nachdem wie viele das sind, dauert das Aussuchen ein bisschen. Dann geht es an die Bearbeitung. Hierzu verwende ich Lightroom und Photoshop. Je nachdem wie ausgefallen das Bild ist oder ob das ein Porträt oder so ist, dauert das natürlich auch unterschiedlich lang. Pauschal lässt sich das also nicht sagen. Es gibt Bilder, für die brauch ich nur eine halbe Stunde, es gibt aber auch Bilder, die liegen bei drei oder mehr Stunden. Das kommt immer drauf an.

 

18. Macht dir das Fotografieren noch genauso Spaß wie am Anfang?

Ja, eigentlich noch viel mehr als am Anfang. Natürlich wird es immer Tage geben, da möchte ich alles hinschmeißen und es sein lassen, aber diese Tage sind selten. Auch gibt es immer wieder Models oder Kunden, deren Erwartungen ich nicht ganz so zu ihrer Zufriedenheit erfüllen kann, dann macht der Job auch keinen Spaß. Aber das sind ganz seltene Ausreißer, von denen ich bis jetzt grade Mal einen hatte. Zu 99,99 % freut mich jedes Bild, jedes Shooting und jeder Auftrag. Sonst würde ich nicht jede freie Minute investieren und das Fotografieren so exzessiv betreiben.

 

19. Was fotografierst du am liebsten?

Das kann ich so gar nicht sagen. Ich fotografiere alles am liebsten, was ich anbiete. Porträtshootings sind genauso toll wie Hochzeiten oder Badewannenshootings, der einzige Unterschied liegt in den Leuten, die man vor der Kamera hat. Am liebsten fotografiere ich nette, lustige und unkomplizierte Menschen, die genauso gern lachen wie ich und denen man den Spaß beim Shooting auch ansieht. Wenn mir etwas keinen Spaß mehr macht, dann nehm ich es aus meinem Angebot. Ich red mir immer ein, dass man auf den Bildern sieht, ob jemand Bock hatte oder nicht.

Es gibt aber ein Thema, was mir eine Spur mehr Spaß macht als alle anderen Sachen und das ist das Fotografieren von Footballspielen. Wenn man selbst großer Football-Fan ist (Go Seahawks!), dann ist das einfach purer Spaß!

 

20. Wie würdest du deinen Stil beschreiben und würdest du etwas ändern wollen an deinen Bildern?

Puh, da tu ich mich schwer. Ich versuche, den Bildern etwas Leichtes und Verträumtes zu geben. Das funktioniert manchmal und manchmal funktioniert es auch nicht. Oft mache ich mir Gedanken, was nun eigentlich die Aussage in meinem Bild sein soll. Dann wünsche ich mir schon durchaus, eine kleine Mehraussage in den Bildern unterzubringen.

 

21. Hast du ein Lieblingsbild?

Ja, das ist mein erstes Levitationbild mit der lieben Chrissi Schilling. Also ich mag alle meine Bilder, aber wenn ich mich auf eins festlegen müsste, wäre es wohl das.

22. Ich möchte auch mit der Fotografie anfangen. Welchen Tipp würdest du mir geben?

Bleib du selbst. Das klingt wie eine hohle Phrase, aber es ist wirklich so. Du wirst so viele tolle Menschen treffen, die dich voranbringen und dich unterstützen. Aber du wirst auch einige Menschen treffen, die neidisch auf dich sind und dir vielleicht sogar schaden wollen. Lass dich inspirieren, aber kupfere nicht ab. Lass dich beraten, aber lass dir nichts einreden. Finde das, was dir gefällt und bleib am Ball. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und alles Künstlerische lebt doch davon, dass jemand kommt, alles umschmeißt und es neu in seiner eigenen Art macht.

Und gib nie auf.

 

23. Fühlst du dich erwachsen?

Ehrlich gesagt warte ich noch darauf, dass das Gefühl von Erwachsensein sich einstellt. Muss man mit 24 schon erwachsen sein? Mein Leben signalisiert mir das schon irgendwie. Man darf selbst Autos kaufen, Miete zahlen, in Besprechungen gehen und dennoch fühl ich mich fehl am Platz. Wie Pippi Langstrumpf im Innenministerium.

Früher war alles klarer geregelt. Du hast mit Mitte Zwanzig geheiratet, hattest Kinder und Job und damit warst du erwachsen. Ob die sich deswegen erwachsen gefühlt haben? Keine Ahnung. Wenn das Gefühl noch kommt, soll’s mir recht sein. Wenn es nie kommt und ich immer Gefallen an Einhörnern und Regenbögen hab und ich bis an mein Lebensende mit Absicht in Pfützen hüpfen kann, ist mir das ebenfalls recht.

 

24. Bist du manchmal neidisch auf andere?

Ich bin manchmal neidisch auf Menschen, die ohne sich Gedanken zu machen super durchs Leben kommen und die dabei trotzdem oder immer erfolgreich sind. Ich mach mir über alles viel zu sehr Gedanken und verpasse oft den richtigen Moment. Das macht mich ein bisschen neidisch. Ansonsten gönne ich jedem sein Bierchen. Warum denn auch nicht, neidisch ist nur jemand, der so wenig von sich hält, dass er das nötig hat.

 

25. Wie findest du deine Models?
Ganz einfach, man schreibt sich. Entweder ich finde jemanden ganz toll und schreib denjenigen an oder es ist eben andersrum. Wenn wir dann beide denken, dass es passt, shooten wir. Aber man darf nicht denken, dass ich von allen Models immer eine Zusage bekomme. Es kommt durchaus vor, dass ein Mädel auch mal keinen Bock auf meinen Stil oder meine Vorstellungen hat. Dann machen wir halt kein Fotoshooting. Und wenn ein Model bei mir nachfragt, bei dem es auf TfP-Basis nicht klappt, dann kann man immer noch ein Shooting buchen.

 

 

So, ich hoffe, euch hat es gefallen und ihr habt die Frau hinter der Kamera ein Stückchen besser kennenlernen können :-)!


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