Kostenlose Fotoshootings

Der Preis für Kunst und Handwerk hat keine rationale Basis.

Von der Krux der Freundschaftsdienste.

„Du kannst doch gute Fotos machen, richtig? Ich bräuchte auch mal ein neues Profilbild.“

„Kannst du nicht vor Weihnachten noch ein paar nette Fotos meines Babys machen?“

„Ihr seid sehr herzlich zu unserer Hochzeit eingeladen und könntet ihr die Kameras mitnehmen?“

„Du kannst doch Photoshop, ich hab da ein Bild, kannst du das mal kurz retuschieren?“

„Ich hab da eine Fotoshooting-Idee! Gar nichts Spezielles, nur was ganz Kleines. Kannst du mir nicht mal schnell was machen? Du kannst doch so was.“

 

Klar sind die Fragen ein klein wenig überspitzt, aber dennoch höre ich sie im Moment immer öfter. Sobald ich meine Preisliste schicke, kommt aber meistens keine Regung mehr. Warum ist das so? Warum denken Bekannte oder Freunde, dass man automatisch kostenlos arbeitet, nur weil man sich halt kennt und mag?

 

Die Grafikerin kann ja sicher mal schnell die Weihnachtskarten gestalten, die Modedesignerin näht natürlich gerne Kleider für jede einzelne Person in ihrem Freundeskreis und die Fotografin ist der super praktische Gast auf jeder Hochzeit.

Oft habe ich das Gefühl, dass die Anfragenden ein bisschen eingeschnappt sind, wenn sie merken, dass auch sie einen ganz normalen Preis bezahlen müssen und es keine Super-Freundschafts-Sonderrabatte gibt.

Nachgekommen bin ich der versteckten Bitte – oder eher offenen Forderung nach einem kostenlosen Shooting - nämlich nur in den allerseltensten Fällen. Denn schließlich möchte und muss ich mit meiner Arbeit auch Geld verdienen.

 

Bei Kunden, die ich noch nicht kenne, finde ich das Verhalten gar nicht mal so schlimm, da schmunzelt man als Dienstleister meistens und dann ist die Sache abgehakt. Verletzender finde ich das Verhalten bei Leuten, die mich kennen oder mit mir befreundet sind.

 

Wir würden doch von unserem befreundeten Automechaniker auch nicht erwarten, dass er völlig unbezahlt für uns arbeitet. Oder besser gesagt: echte Freunde würden doch wollen, dass wir mit unserer Arbeit auch etwas verdienen, oder nicht?

 

Also - worin liegt die Annahme begründet, dass Freundschaft = Gratisdienst?

Liegt es daran, dass kreative Arbeit nicht als „klassische“ Arbeit angesehen wird? Mein Mann meinte mal zu mir, dass man bei mir nicht den Eindruck verspüre, dass das wirklich harte Arbeit sei. Ich hätte immer gute Laune bei den Shootings, verpacke meine Päckchen mit liebevollen Details und bearbeite meistens mehr Bilder als ich müsste. Und das alles mit einem Lächeln und viel Hingabe. Das sähe mehr nach Spaß aus als nach Arbeit. Aber kann Arbeit nicht Spaß machen und trotzdem kräftezehrend und anstrengend sein? Ich verbringe mehrere Stunden mit der Vorbereitung, dem Shooting und der Nachbearbeitung, die ich natürlich unglaublich gerne investiere, aber dennoch fehlt mir die Zeit dann mit meiner Familie und in meiner Freizeit.

 

Erkennen das Bekannte/Freunde nicht so gut, weil sie einen als Kumpel sehen und nicht als ernsthaften Dienstleister?

Wertschätzung im Job ist wichtig.

Wenn der eigene Freundes- oder Bekanntenkreis zu verstehen gibt, dass die eigene Leistung für sie als Freunde und Bekannte kostenlos sein sollte, hat das nicht mehr viel mit Wertschätzung für die Zeit und das Können, das in die Arbeit fließt, zu tun.

Gerade dann, wenn der Freundeskreis den langen und manchmal mühseligen Weg in die eigene Firma aus erster Hand mitbekommen hat, sollte die Bereitschaft, für die eigene Dienstleistung zu zahlen, eigentlich vorhanden sein.

 

Ich biete immer noch gerne kostenlose Shootings/ Services an, keine Frage. Das Detail hierbei ist nur, dass ich sie anbiete für Dinge, die uns beide weiterbringen. Porträtshootings, Babybäuche, Gruppenbilder und Hochzeiten kann ich nicht kostenlos machen, da sie mir weder für mein Portfolio noch für mich persönlich einen Vorteil bedeuten. Gerne gebe ich immer wieder Überraschungsrabatte und zusätzliche Goodies, die kommen aber von Herzen und von mir aus und nicht, weil wir befreundet sind oder uns kennen.

 

Daher: seid nicht beleidigt, wenn ich euch meine normale Preisliste schicke und denkt doch mal ein bisschen darüber nach, was ihr sagen würdet, würde man euch nach kostenloser Arbeit fragen, die eure eigene Firma betrifft ;-)!